Schlagwort-Archive: Rheinufer

“… aber die Düsigkeit im Kopf nahm immer mehr zu, und den schlechten …”

Rheinufer, Fischtorplatz

    Rheinufer, Fischtorplatz

“… Geschmack im Mund wurde er nicht wieder los. Er fühlte, daß seine Stunde kam, daß er seekrank wurde und brechen mußte. Er wollte es nicht, er wollte es nicht! Nur das nicht! Wie sie wohl lauerten, Kap Horn und Hein Mück, daß sie ihn auslachen konnten! Nein, er wollte es nicht! Fest biß er die Zähne zusammen und hielt sich den Mund zu.” (Gorch Fock, über das Initiationsritual eines Fischerjungen während einer Nordseefahrt)

Über dem in Stein gemeisselten und in güldnen Lettern ausgeführten Sinnspruch des Schulschiffpaten erhebt sich das Denkmal für den im Ersten Weltkrieg 1914 vor Helgoland versenkten Kreuzer “S.M.S Mainz”.

In den umlaufenden Inschriften ist pathetisch verquast von “deutschem Kreuzergeist”, der “Wahrung der Ehre des Reichs in allen Meeren” und vom “Heldentod” mit “wehender Flagge” die Rede: Textbausteine deutschtümelnder Tradition unseligen Angedenkens – ein Sprachdenkmal im Denkmal.

“I was thinking about the lagoon in Central Park …”

Enten am Winterhafen

    Enten am Winterhafen

“… down near Central Park South. I was wondering if it would be frozen over when I got home, and if it was, where did the ducks go? I was wondering where the ducks went when the lagoon got all icy and frozen over. I wondered if some guy came in a truck and took them away to a zoo or something. Or if they just flew away.” (Jerome D. Salinger)

    Die Ente ist im Laufe ihrer Stammesgeschichte wahrscheinlich mit allem versorgt worden, was sie als Wasservogel nötig hat, um ein nützliches und geordnetes Leben zu führen. Das sollte auch für den Winter gelten. Die Evolution hat sich da nicht lumpen lassen: Eine Bürzeldrüse zur Produktion von Fett, um die Federn wasserabweisend zu imprägnieren. Unempfindlichkeit gegen kalte Füße, die eben genau deswegen kalt sein müssen, weil sie sonst Eis und Schnee antauen und dann wieder festfrieren würden.

      Was den Anatiden aber ganz eindeutig fehlt, ist die Fähigkeit, eine vereiste und damit tückisch glatte schiefe Ebene empor zu watscheln, um an Futter zu kommen. So war es am Winterhafen zu beobachten. In den vergangenen Tagen und Wochen fanden sich die Körner noch auf den Treppenstufen. In letzter Zeit ging der Futter-Demiurg offenbar ungnädigerweise dazu über, die Mahlzeit neben die Treppe zu streuen. Inzwischen hat sich dabei eine Eispiste gebildet, die die Enten vor neue Herausforderungen stellt. Die Körner in Wassernähe sind aufgepickt, den steilen Hang hochzuwatscheln, ist ein nahezu unmögliches Unterfangen. Bleibt noch die Option, die Böschung oben anzufliegen und nach der Landung wie wild mit den Füßen zu strampeln, um ein Abrutschen zu verhindern. Enten, die die gesamte Treppe benutzen, um nach oben zu gelangen, können noch nicht beobachtet werden.

      “Nun legst du, alte wettermüde Föhre, den allerletzten Jahresring dir an …”

      Rheinufer, Weisenau

        Rheinufer, Weisenau

      “… da ich im Walde schon rumoren höre, mit seiner Axt den grauen Zimmermann.” (Gottfried Keller)

        Zur Natur entlang seinen Strecken pflegt der Radler ein eher indifferentes Verhältnis, ähnlich vielleicht wie zu all den Kulturkrambuden, Projekten, Antiquariaten und Tante-Emma-Läden im Viertel, die er regelmäßig dann aufsuchen will, wenn sie ihren Betrieb für immer einstellen.

          Und so fallen ihm am Weisenauer Rheinufer erst die Baumstümpfe auf. Drei Bäume hat’s diesmal erwischt. Schade eigentlich. Siezig bis achtzig Jahresringe lassen sich auf den hellen Querschnitten zählen. Die Stämme hatte man zuerst abgefahren, die zu Kloben zersägten Äste lagen noch einige Tage im Gras, jetzt sind auch sie verschwunden.

            Neophyten aus Fernost, Götterbäume, sind es offenbar, wie sich nachträglich herausfinden lässt. Das Grünamt jedenfalls bescheinigt Bruchgefahr. Einige Robinien hatte die Stadt gleich zu Staatsfeinden erklärt. Sie wurden laut Pressemitteilung wegen “Umsturzgefahr” weggehackt.