Am Pulverturm, Institut für Rechtsmedizin

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    “Ruhe sanft, kleine Aster.” (Gottfried Benn)

Der “Blaue Karfunkel 2012” der Deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft geht an den Mainzer Autor Peter Jackob. Die Ehrung als beste Sherlock-Holmes-Publikation des Jahres 2012 gilt dem “Geheimnis von Compton Lodge” und erfolgt im Institut für Rechtsmedizin. Nach Preisverleihung, -übergabe und halbstündiger Lesung bietet Institutschef Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban eine Stippvisite in Sektionssaal und Kühlraum an.

Gehirn: 1295 g, Herz: 500 g, Lunge links: 815 g, Lunge rechts: 490 g, Leber: 975 g, Milz: 290 g, Niere links: 120 g, Niere rechts: 130 g. Auf einer Schiefertafel hat ein Präparator das Gewicht der Organe eines Verstorbenen notiert. Daneben eine Waage, wie man sie von der Fleischtheke kennt. Wie denn auch das eine oder andere Instrument im Sektionssaal durchaus Küche oder Metzgerei entliehen scheint: hier ein Messer mit Holzgriff, dort eine Schere, wie zum Tranchieren von Geflügel, an der Wand eine Schöpfkelle.

Am Seziertisch stehend liefert Professor Urban eine tour d’horizon durch die Arbeitsgebiete der forensischen Medizin und beantwortet Fragen aus dem Publikum. Nein: in Wiesbaden gebe es kein Institut für Rechtsmedizin. Nein (etwas um Fassung ringend): er sei kein “Pathologe”. Nein: im “richtigen Leben erfolge die Identifikation von Leichen nicht wie im Fernsehkrimi in der bildwirksamen Kühlbox, sondern in einem besonderen Raum. Ja: das Leichenaufkommen sei saisonabhängig: in der Urlaubszeit werde eben im Ausland gestorben, und die “bad guys” seien in der Sommerfrische.