Rheinufer

Rheinufer

    “Farewell and adieu to you, fair Spanish ladies. Farewell and adieu, you ladies of Spain. For we’ve received orders for to sail back to Boston. And so nevermore shall we see you again.” (Quint, 1975)

Rheinufer. Nachmittags. Rudertraining am Bootshaus. Eine Crew bereitet ihren Ruderachter zur Ausfahrt vor. Bevor alle im selben Boot Platz nehmen und – der Redewendung folgend – pullend das ihre zur kollektiven Zielerreichung beitragen, muss der schmale Kahn zu Wasser gelassen werden. Das ist nicht so einfach, wie es sich die rheinhessische Landratte vorstellt. Zuerst gilt es, mit dem zwanzig Meter langen Fahrzeug unbeschadet die Rheinpromenade zu überqueren, ohne dass sich Jogger ihre Nasen am Holzrumpf blutig schlagen. Zwei schmale Treppchen führen die Böschung zum Bootsanleger hinunter. Achtzehn Hände greifen Bordwand und Ausleger. Achtzehn Füße tasten sich vorsichtig die Stufen zum Ponton hinunter. Die Crew bringt ihr Boot seitlich nach der Methode “Querstapellauf” – gleichzeitig auf voller Länge – in die Wellen. Endlich setzt der Achter ohne Zwischenfall behutsam im Wasser auf. Wer sich ein nautisches Desaster erhofft hatte, wird enttäuscht. Niemand stolpert in den Rhein. Keine Gelegenheit für Schadenfreude oder Youtube-Videos. Beobachter wenden sich zum Weitergehen.