Rampe zur Weisenauer Brücke

Rampe zur Weisenauer Brücke

    Meinereiner Revisited

Wer mehr ein halbes Jahr nach der Erstbegegnung wieder auf ein bis zur Selbstvergessenheit gleichgültig dahinmümmelndes Langohr trifft, sollte die ehedem aufgestellten Hypothesen zum Fluchtverhalten des Karnickels einer kritischen Würdigung unterziehen und gegebenfalls neue formulieren.

    Ob Kanninchen oder Hase – Gattung und Familie läßt sich für den Laien auch auf Zweimeterdistanz nicht feststellen. Auch nicht, ob es es sich um einunddenselben wie im September letzten Jahres handelt.

      Meister Lampe jedenfalls äst stoisch auf – genauer: unmittelbar neben – der Fahrradrampe der Weisenauer Autobahnbrücke, und verbleibt selbigenorts, ohne auch nur mit dem Schlappohr zu zucken. Warum nur bleibt Klopfers Artgenosse derart leidenschaftslos?

        Krankheit oder Tollwut dürfte als Ursache ausscheiden – ein angesteckter Hase oder seine Sippe überlebt keinen Winter mit Eis und Schnee.

          Eher an seinen Barthaaren herbeigezogen (obwohl es der verträumte Zustand und die erweiterten Pupillen annehmen lassen) auch die Vermutung, dass sich regelmäßig bewusstseinsverändernde Kräutlein auf Meister Lampes Speiseplan befinden.

            Am wahrscheinlichsten: Das Tier ist völlig zugedröhnt. Aber es sind keine psychotrope Substanzen – sondern Lärm und Abgase der etwa 80.000 bis 90.000 Fahrzeugen, die täglich an seinem Habitat vorbeirasen.