“‘Ist in der Innenstadt eine Demo, von der ich nichts mitgekriegt habe?'”

Fußgängerzone

    Fußgängerzone

“… fragte Adler. Er arbeitete an Frau Holländers maroder Kupplung. Neben dem Wagen plärrte ein Kofferradio. ‘Wann war die letzte Demo, von der du etwas mitgekriegt hast? Wir haben jetzt Mitte der achtziger Jahre.'” (Norbert Klugmann/Peter Mathews)

    Von dem fünfzig- bis hundertköpfigen Anti-Atom-Montagsspaziergang kann man nicht unbedingt behaupten, er habe die Kraft, den Unbeteiligten am Bahnhofsvorplatz unwiderstehlich in seinen Bann zu schlagen. Für das spontane Mitmarschieren zum Gutenbergplatz spricht trotzdem einiges.

    In einer Zeit, in der es mancher pietistische Häuslebauer in Stuttgart auf vier Protestmärsche pro Monat bringt, liegt die letzte eigene Demonstration (Bonn, Sommer 1982) nun schon fast drei Jahrzehnte zurück. Das Bewußtsein, Sand ins Feierabendverkehrsgetriebe der vollgefressenen geisteskranken Stadt streuen zu können, lässt zudem klandestin Freude keimem. Und wer gegen die Lakaien-Politik von Bundestante und Bundeswinzer demonstriert, hat nach den Konzepten von Balance- und Konsistenztheorie (Heider, Osgood/Tannenbaum) allemal Unterstützung verdient.

      Also schliesst man sich dem schmalen Demonstrationszug an. Es ist eine Latsch- und Schieb-, vor allem aber eine Trillerpfeifen-Demo. “Abpfiff für die die Atomkraft”, heisst einer der Slogans, den viele der Teilnehmer zum Nachteil der Trommelfelle des Radlers leider nur allzu wörtlich nehmen. Früher war eben alles besser…