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Mauerseglerkorso

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    Bleichenviertel

Wenn Apus apus die Kumpels zum abendlichen Korso über den Dächern der vollgefressnen, geisteskranken Stadt trifft, grölt er nicht noch pfeift er Triller. Er hupt nicht und verzichtet auf Motorgeheul. Schon gar nicht trötet er die Vuvuzela. Flaschengeschmeiss ist ihm ebenso fremd wie Fahnengeschwenk oder Herumgeböller. Dabei ist er durchaus für aviatischen Allotria zu haben. Eine Staffel Segler ist schneller aufgestiegen, als sich die motorisierte Masse auf dem Asphalt zusammenrottet. “Srieeh-srieeh!”, fliegt sie um die Häuser, zieht um die Dächer. Als gäbe es kein Morgen.

Apus apus schraubt sich mit heftigen Flügelschlägen in die Höhe. Kippt dann ab über den Flügel zum Sturzflug. Hat man nicht gesehen, gleitet er am Balkon vorbei, “srieeh-srieeh!”, biegt ein in den Nachbarhinterhof, “srieeh-srieeh!” Spitzkehre, Immelmann. “Srieeh-srieh!”, spielt er Verfolgung, weicht Satellitenschüsseln und Antennenzinken um Haaresbreite im Tiefflug aus. “Srieeh-srieeh! Wie war ich, Mauerseglerin?”

Später ist der Himmel ruhig und leer. Die Segler sind im Schwarzblau verschwunden? Wohin, hat niemand mitbekommen. Ob sie wirklich in großer Höhe im Flug schlafen? Dann hören sie wenigstens den Pöbel am Boden nicht.